Bezahlung im Praktikum
Praktikum für lau? Ich finde es überaus beschämend, wie manche Firmen in Raubritter-Manier auf Ausbeutung von Praktikanten setzen, um Kosten einzusparen. Leichte Beute mag sich da so mancher Betrieb denken, denn viele wollen und müssen Praktika absolvieren. Die schlechte Arbeitmarktsituation treibt auch viele Hochschulabsolventen dazu, mangels Jobs wenigstens mit einem Praktikum die Lücke im Lebenslauf auszugleichen. Auf der Suche nach einem Praktikumsplatz habe ich als Studentin mehrfach erfahren müssen, dass man für durchaus anspruchsvolle Tätigkeiten gerade mal ein Taschengeld angeboten bekam. Ein Arbeitgeber aus dem Bereich Personaldienstleistung hätte sogar gemeint, dass es mehr um die “einmalige” Gelegenheit der Berufserfahrung in einem so innovativen Unternehmen gehe, daher Lohn = Null. Meiner Meinung nach sollte eine Vollzeit-Tätigkeit mit mind. 500 EUR vergütet werden. Mich würde interessieren, was andere Studenten / Praktikanten für Erfahrungen gemacht haben.
Es grüßt
Madeleine
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Einen aktuellen Artikel zum Thema Ausbeutung im Praktikum gibt es auf sueddeutsche.de: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/berufstudium/artikel/379/76303/
Das Schlimme an dieser Situation ist, dass niemand etwas dagegen tut.
Derzeit wird bei Abgeordneten und vielen, vielen Angestellten ganz simpel Arbeitsplatzsicherung auf Kosten einer Gemeinschaft, die es eigentlich nur noch in finanziell zu schröpfender Hinsicht gibt, um die Auswüchse menschlicher Gier und rücksichtslosen “Ich muss noch mehr haben”, zu befriedigen.
Will man etwas bewegen, Menschen überzeugen, muss man mit gutem Beispiel voran gehen. Studenten, Absolventen und auch Arbeitslose zum Probearbeiten oder kostenlosen Praktika zu beschäftigen, ist eigentlich nur ein Auswuchs dessen, was die, die Wasser predigen und nicht nur Wein, sondern Champagner trinken, vorleben.
Titelthema einer Spiegelausgabe: “Generation Praktikum”.Auf einen Punkt gebracht,alles in einem Artikel.Generation: Man soll viel investieren,Engagement zeigen,Überstunden schieben.Bezahlung?Warum denn,denken sich die lieben Arbeitgeber!Warum soll ich den Uniabsolventen denn bezahlen,wenn er es auch für “Umme” tut?
Ein Praktikum nach dem Uniabschluss ist ja in Ordnung.Aber dann?Noch eines und noch eines,denn Festanstellungen sucht man heutzutage wie die Nadel im Heuhaufen!Hauptsache keine Lücke im Lebenslauf.Und genau das ist falsch!
Absolventen dürfen und sollen sich nicht unter Wert verkaufen.Selbst ein ausgelernter Azubi hat ein Recht auf einen Mindesttariflohn.
Was tun?Nein sagen zu unbezahlten Praktikas!Eine Lücke im Lebenslauf wird in manchen Vorstellungsgesprächen honoriert.Versprochen!
Praktikum oder auch einen 1,30 Job annehmen? Ich kann nur jedem raten sich nicht unter seinen Wert zu verkaufen, ich habe in einer Erwachsenenqualifizierung: Umschulung zum Bürokaufmann, für eine gewisse Stadt im Denkmalschutz gearbeitet, natürlich unentgeltlich. Nachdem ich meine Umschulung zum Bürokaufmann abgeschlossen hatte bin ich persönlich zur Stadtverwaltung gegangen und habe mich vorgestellt und nach einer Tätigkeit angefragt. Es wurde mir kurzerhand erklärt das man für mich keinen Bedarf hat. Ein halbes Jahr später bot mir die Stadt einen 1,30 Euro Job in meinen erlernten Beruf an und ich wurde in einer öffentlichen Einrichtung der Stadt eingesetzt, dort erledigte ich Aufgaben die selbst das Büroteam nicht zeitlich schaffen konnte. Na ja, ich war dort dann 11 Monate tätig, für 1,30 Euro a 4 Stunden am Tag. Als ich erneut das Interesse an einen festen Arbeitsverhältnisses bekundete, lächelte man mich nur an und fragte mich: Wie naiv ich sei?, also ich denke wenn man 3 Monate für die Stadt im Denkmalschutz tätig war und dann 11 Monate für 1,30 Euro und dann erneut von der Stadt eine Arbeitsstelle für ein Jahr angeboten bekommt und das natürlich unentgeltlich, frage ich mich schon..in was für einen System leben wir? Ich überdachte das Angebot und habe mich dann natürlich meinen Schicksal weiter gefügt und halte die Hand auf und sitze zu Hause. Nach einen kurzen Resümee und einen neuen Facharbeiter in der Tasche, vorher auch schon für die Stadt als Hausarbeiter tätig für 2 DM die Stunde a 4 Stunden, frage ich mich ob es nicht billiger gewesen wäre, der Staat hätte gleich auf eine Facharbeiterausbildung für mich verzichtet und mir die Kohle so gegeben. Mit dem Geld hätte ich vielleicht dann etwas wagen können und nach neuen Insolvenzrecht könnte ich ja dann auch in die Privatinsolvenz gehen und den Staat erst dann wieder auf der Tasche liegen. Ich kann nur sagen: Es läuft etwas falsch in Deutschland und ich glaube die Demokratie verlässt uns bald, wenn wir uns nicht wehren. Henry
Hallo hier ist nochmal Henry, es liegt mir einfach am Herzen nochmal etwas loszuwerden.
Verkaufe dich nicht unter deinen Wert.
Jeder Mensch ist fleißig und gewissenhaft und strebsam, irgendwann aber verlässt auch den fleißigsten Menschen die Kraft.
Dann nimmt man erneut einen Anlauf und versucht sein Ziel zu erreichen, landet man dann wie ich nach dem ganzen vorherigen geschilderten Text im Obdachlosenheim und wird auch noch von seiner Partnerin verlassen, fragt man sich schon: Warum?
Heute habe ich es geschafft eine Wohnung zu bekommen mit Hängen und Würgen versteht sich und nach mehrmaligen Anläufen, momentan habe ich es sogar geschafft Erstausstattung für meine neue Wohnung zu bekommen, natürlich reicht das Geld hinten und vorne nicht für ein menschenwürdiges Leben.
Wenn ich einkaufen gehe, schäme ich mich, meine Kleidung ist zerrissen ja ich muffele auch, na ich habe endlich nach einer Prüfung meiner Bonität es geschafft eine Waschmaschine auf Raten von einen Versandhaus zu bekommen.
Ich freue mich schon darauf, meine Wäsche wenn auch nicht mehr ansehnlich.. duftend zu bekommen und sauber, im Waschcenter ist mir das nicht so gelungen. Jetzt kann ich die Sachen so waschen wie es jede vernünftige Hausfrau tut. Bei einer Waschladung von 3,50 Euro und Hartz IV überlegt man sich schon wie man am billigsten davon kommt.
Dann kann ich auch mal wieder versuchen mich zu bewerben und eine Stelle zu bekommen, mit online Bewerbungen habe ich es natürlich auch versucht, kostengünstig und schnell aber Fehlanzeige.
Etwas stimmt mich trauig in der momentanen Presse. Ein Politiker sagte zu einen Arbeitlosen: Wasch dich, dann bekommst du auch einen Job.
Ich denke er hat sich gewaschen, man sieht eindeutig das er zerissene Kleidung trägt auf Bildern der Presse und Armut riecht anders als Reichtum, eine Küche in der jeden Tag gekocht wird riecht besser als eine Küche die fast den ganzen Monat kalt bleibt.
Ein Mensch steht auch morgens anders auf, wenn er weiss ich werde gebraucht und bekomme dafür meinen Lohn für dem es sich lohnt arbeiten zu gehen und leben zu können.
Ich habe auch schon gelernt darüber hinweg zu hören: ich habe kein Selbstbewusstsein mehr, ich bin faul, soll mir Arbeit suchen, ich kann nur sagen ich habe gearbeitet, ich habe Selbstbewusstsein aber ein kluger Mensch hat auch ein Schamgefühl wo er dann nicht mehr so selbstbewusst wirkt.
Wenn du nicht arbeitest für das was wir dir vorwerfen kürzen wir dir das Geld. Sicherlich werde ich noch einige Stationen erleben mit mehr oder weniger Geld, aber ich treffe auch auf Menschen die mich freundlich ansehen und natürlich auch einige die mich verachtend betrachten, also versucht um Himmles Willen das beste für euch auszuhandeln oder schränkt euch ein, hungert so wie ich, ich mag die leuchtenden Augen meiner Kinder wenn ich ihn etwas kaufen kann und ich bewundere ihre Selbstverständlichkeit wenn sie mich fragen: Papa warum gehst du nicht zur Bundeswehr, der Papa von Leon verdient doch da auch gutes Geld.
So nun aber genug Henry
Hallo Henry,
Du kannst so lebendig schreiben, schreib Deine
Erlebnisse + Gedanken + Gefühle dazu unbedingt
weiter auf. Vielleicht wird es ein Buch?
Guten Tag Henry,
ich bin ernsthaft bewegt von Ihren Worten und mag eigentlich in Foren nicht gerne schreiben - bin eher zufällig hier gewesen.Aber ich schätze Ihre Einstellung - vielleicht mögen Sie mir Ihre mail-Adresse senden und wir nehmen Kontakt auf, denn Ich betreibe ein kleines Bauunternehmen, wo fleissige,engagierte Hände, Köpfe und Seelen immer willkommen sind.
Beste Grüße, Tobias.
Hallo.
Habe eure gefunden zum Praktika.
Ich bin seit 11.12.07 bis 3.08.07 in einen Pratikum.
Es macht aber aber wäre da nicht das Arbeitsamt und würde mich vergüten dann würde ich es auch nie machen, denn, ein Lebenlang Praktikum ohne festen Lohn wer will das schon, wär will so leeb, ich glaube sowas ist auch kein leben.
Naja, wenn für einen kurze zeit ein Praktikum hat weil man dazu lernt für eine Ausbildung finde ich es gut. Ich habe z.B. keine Ausbildung und es kotzt mich an, naja, einfach weiter kämpfen.
Aber bei mir war das das letzte Praktikum.
Bezahlung im Praktikum? Machst Du Witze? Hör Dir das mal an.
Im Jahre 2002 kam ich, der ich zu diesem Zeitpunkt arbeitslos war und in Meiningen wohnte, in Kontakt mit der Thüringer Akademie Erfurt GmbH (Unternehmensgruppe Dr. Döllekes). Dort berichtete man mir, dass die CIS Institut für Mikrosensorik gGmbH in Erfurt dringend qualifiziertes Personal zwecks Festanstellung suche. Ein Vorstellungsgespräch mit einem Vertreter der Thüringer Akademie Erfurt GmbH vor Ort im CIS Institut für Mikrosensorik gGmbH, an dem u.a. auch der Leiter desselben, Herr Dr. Freitag teilnahm, verlief positiv. Man teilte mir mit, dass ich zunächst ein unbezahltes Praktikum absolvieren müsse, während dem man sich einen Überblick über meine Fähigkeiten verschaffen wolle. Seien meine Leistungen während des Praktikums gut, so beabsichtige man, mich fest einstellen. Meine Leistungen waren, wie auch im Arbeitszeugnis bestätigt wurde, sehr gut.
Als man mich dann trotz der sehr guten Leistungen nicht wie versprochen nach 6 Monaten eingestellt hat, bin ich vors Arbeitsgericht Erfurt gezogen und habe, da natürlich von Seiten des CIS alles frech abgestritten wurde, den Arbeitsgerichtsprozeß verloren.
Da ich während des Praktikums und danach von Sozialhilfe lebte, mußte ich, um den Arbeitsgerichtsprozeß führen zu können, Prozeßkostenbeihilfe beantragen, die auch genehmigt wurde. Vor einigen Tagen habe ich nun ein Schreiben des Arbeitsgerichtes Erfurt erhalten, in dem die Kosten für den Arbeitsgerichtsprozeß in Höhe ca. 1400 EURO von mir zurückgefordert werden. Nicht genug damit, dass ich unbezahlt gearbeitet habe. Jetzt soll ich auch noch draufzahlen. Das kommt nicht Frage. Dieses Schreiben hat bei mir wieder alles - wie eine ins Unterbewußtsein abgetauchte und dort vermoderte Wasserleiche - hochkommen lassen. Ich empfinde die Demütigung, jemals unbezahlt gearbeitet zu haben, stärker als je zuvor. Schlimm ist, dass man das Trauma, unbezahlt gearbeitet zu haben, niemals mehr los wird. Der abgrundtiefe Hass auf diejenigen, die einen in einer Notlage, wie sie die Arbeitslosigkeit darstellt, auch noch ausgebeutet haben, wird mit den Jahren immer größer. Je mehr man verdient, um so mehr merkt man, wie sehr man ausgenutzt wurde.
Wer meint fleißige MA so behandeln zu können, gehört als asoziales Unternehmen ganz dringend an den Pranger gestellt.
Alle verdienten. Die CIS Institut für Mikrosensorik gGmbH, indem es eine Arbeitskraft unbezahlt schuften lassen konnte, die Thüringer Akademie Erfurt GmbH, indem sie Gelder der Arbeitsagentur einstreichen konnte. Nur ich war der Verlierer. Kein Lohn, keine Beiträge zur Rentenversicherung und psychische Probleme. Und jetzt noch die erwähnten Kosten des Arbeitsgerichtsprozesses. Es reicht!
Ich lebe übrigens jetzt in Baden-Württemberg. Glücklicherweise. Dass ich in den Osten zurückkehren werde, ist ausgeschlossen. Das jahrelange “Überangebot” an arbeitslosen hochqualifizierten Arbeitskräften im Osten hat zu einer Verrohung des Umgangs mit dieser volkswirtschaftlich wichtigsten Ressource durch die Unternehmen geführt, die kurzsichtig war und sich nun zu rächen beginnt.
Leute ich kann Euch nur raten: kein Praktikum. Verlangt direkt, was ihr Wert seid. Und wenn die Euch noch so oft erzählen, wie wichtig ein Praktikum. Die wollen die produktivste Zeit Eures Lebens für umsonst und erzählen dafür sonstwas für Märchen.
Und wenn Ihr in einem von Arbeitslosigkeit geplagten Bundesland wie Thüringen lebt, in dem man es sich wegen des (noch) reichlich vorhandenen Fachkräfte-Pools meint erlauben zu können, dieses wie den letzten Dreck zu behandeln und auszunutzen, dann mein weiterer dringender Rat: Nichts wie weg.
Viel Glück Euch.